Blick ins Buch

Über das Buch

Stellen Sie sich vor, Sie kämen noch mal ganz neu in die Designszene. Als unbedarfter Fremder. Und Sie begännen, ein Vokabelheft zu führen, in das Sie all die Begriffe schreiben, die diese Szene verwendet – und die Ihnen vorher nicht vertraut waren. Das Vokabelheft platzt schnell aus allen Nähten und jeder, den Sie fragen definiert Ihnen die Begriffe anders. Sie machen sich einen Spaß daraus, Sie in die Irre zu führen, es sind halt Kreative, mit denen Sie es da zu tun haben …

Das umfangreichste Vokalbelheft der Welt entsteht

Jetzt wird’s spannend. Denn wenn Sie Juli Gudehus wären, würden Sie jetzt neun Jahre lang halbtags 9.704 Begriffe zusammentragen und von 3.513 Kreativen definieren lassen. Sie würden Widersprüche als Phantasie anregend werten und Groteskes als Sahnehäubchen. Sie würden nicht im Traum daran denken, das »Monster-Vokabelheft« alphabetisch zu sortieren, sondern Ihren Assoziationen freien Lauf lassen. Die Sammlung würde so umfangreich, dass sie nur noch in sieben Punkt gesetzt auf Bibeldünndruckpapier gedruckt überhaupt maschinell zu binden wäre. Sie wären so sehr in Ihrem Element, dass Ihre Begeisterung ansteckend wäre – und Verleger um den wirtschaftlichen Verstand brächte.

3000 Seiten auf 32-Gramm-Bibeldünndruckpapier

Sie sind nicht Juli Gudehus, aber irgendwie klingt das alles jetzt schon so, dass Sie wissen wollen, wie es weitergeht, oder?

Eigentlich spricht alles gegen das Lesikon. Die Produktion ist schier unmöglich und wer braucht eine nicht alphabetische Sammlung von definierten, kommentierten und weitergesponnenen Begriffen der visuellen Kommunikation?

Dann ist da aber dieses Herzklopfen, das nicht aufhört. Und das jeder bekommt, der sich auf die hauchzarten Seiten einlässt. Da ist dieses vollkommen verrückte sich Verlieren im Lesen, Blättern, an anderer Stelle Weiterlesen. Da ist die Erotik des hauchzarten Papiers, wie es durch die Finger gleitet.

Dann noch die irrsinnige Idee, jedem Lesikon fünf unterschiedliche Lesezeichen beizulegen (aus einem riesigen Fundus von Juli-Gudehus-Fundstücken im Original). Und damit man die auch sieht, einen Cabrioschuber zu erfinden, der dem geschmeidigen Buch so viel Halt gibt, dass es steht, ohne die Original-Fundstücke zu knicken.

Bei Schmidt ist alles möglich

Das Lesikon ist eine Liebeserklärung an die Unvernunft, ein Buchobjekt, das dem Digitalen zart, ganz zart den Kampf ansagt und selbstbewusst um die Kraft des Analogen weiß. Das Lesikon verschlingt Ihre Zeit auf so charmante Art und Weise, dass Sie sich ihm hingeben. Es ist so unnötig, dass Sie es haben wollen. Es ist so anachronistisch, dass es schon wieder in sich schlüssig ist. Es ist Buchkunst. Und ein Dokument des Tipping Point, an dem das Lexikon seinen Platz in der Welt verlor und damit Platz machte für ein neues Sammeln.

 

Auszeichnung vom Art Directors Club,
Platz 1 in der Kategorie Bücher des Innovationspreis der Dt. Druckindustrie

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