Blick ins Buch

Über das Buch

Schriften sind Kinder ihrer Zeit. Implizit tragen sie den Geist der Epoche in sich, in der sie entstanden sind. Deren kulturelle und politische, soziale und ästhetische Normen und Werte. Sie sind also immer auch Zeitgeistschriften. Natürlich ist Gestaltung immer Zeitzeugnis: im Gegensatz zu Kunst und Design aber fliegt das Typedesign unter dem Radar intellektueller Dekodierung durch breitere gesellschaftliche Schichten.

Das macht es umso reizvoller, the power of type heute gestalterisch einzusetzen, um Assoziationen zu historischen Epochen, Werten und Haltungen zu wecken. Weil »normale« Menschen Buchstaben als Mikropartikel der visuellen Kommunikation zwar lesen, nicht aber bewusst wahrnehmen, kann man mit Schriftwahl und -einsatz ähnlich unterbewusst kommunizieren wie mit Duft oder Sound. Die gute alte Zeit heraufbeschwören oder an die Stilsicherheit der Klassischen Moderne appellieren. Das macht Retrofonts zu einem Werkzeugkasten der Superlative.

Was bietet dieses Buch?

Gregor Stawinski trägt über 400 starke Schriften aus den Stilepochen vom Historismus bis in die Roaring Eighties zusammen, sortiert sie den Epochen zu, zeigt deren Wirkung in Figurenverzeichnissen und stellt aktuelle und historische Anwendungsbeispiele vor. So sensibilisiert er für die Schriften und ihren Einsatz in der Gestaltung und weckt die Lust darauf, aktueller Gestaltung mehr oder weniger stark historischen Kontext einzuhauchen.

Von typografischen Verkleidungs-Kunststücken bis zum subtilen Hauch der Historie ist alles möglich. Das entscheidet die Aufgabe.

Was sind die klassischen Einsatzgebiete für Retrotype?

Im Gegensatz zu uns Menschen machen sich Marken und Produkte, Cafés und Kneipen gerne etwas älter als sie sind. Die Glattheit der digitalen Welt steigert die Sehnsucht nach einer Zeit, in der das Handwerk den Takt vorgab, in der handmade alternativlos war. Dementsprechend nutzen Micro-Breweries, Independent-Labels, Startups der Maker-Szene the power of type, um sich visuell eine Geschichte zu geben, die sie so noch gar nicht haben.

Auch Packaging und Interieur Design spielen gern mit typografischen Zeitreisen. In der Buchgestaltung und im Bereich der Kulturplakate wird die Zeitgeist-Codierung gern etwas subtiler eingesetzt.

Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, das Spiel kann aber vor Profiaugen nach hinten losgehen, wenn Sie knapp daneben landen. Deshalb sind neben den Schriften die Anwendungsbeispiele – und die Auseinandersetzung mit ihnen – so wichtig.

Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1 Gründerzeit und Gold Rush
Historismus ca. 1830 – 19.00
Kapitel 2 Fin de Siècle und Simplicissimus
Jugendstil und Japonismus ca. 1890 – 1915
Kapitel 3 Kino, Jazz und Bubikopf
Art Déco und Plakatstil ca. 1918 – 1933
Kapitel 4 Tschichold und Bauhaus
Elementare Typografie und Konstruktivismus ca. 1918 – 1933
Kapitel 5 Führerkult und Volksempfänger
Traditionsverbundene Typografie ca. 1933 – 1945
Kapitel 6 Petticoat und Rock’n’Roll
Organisches Design und kalligrafischer Stil ca. 1945 – 1960
Kapitel 7 Wirtschaftswunder und Mondlandung
Schweizer Typografie und Space Age ca. 1955 – 1968
Kapitel 8 Flower Power und Revolte
Pop und Disco ca. 1968 – 1980
Kapitel 9 Walkman, Zauberwürfel und Null Bockl
Postmoderne und Punk ca. 1975 - 1990
Anhang
Literaturverzeichnis
Copyright
Register der Schriften
Register der Schriftentwerfer
Register der Foundries
Register der Abbildungen
Impressum

Ob eine Schrift Retro ist, entscheidet erst der Kontext, in dem sie eingesetzt wird, und so wie bei der Mode dreht sich auch hier alles um Look and Feel.

Bestseller, November 2009

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